Initiativkreis Berlin Stiftung e.V. 1993

Museum und Begegnungsstätte
Der Initiativkreis ist ein nichtkommerzieller gemeinnütziger Verein, der weder von der Bundesregierung, noch einer anderen Organisation unterstützt oder gefördert wird.
Der Initiativkreis Berlin Stiftung e.V. sieht seinen Schwerpunkt in der besonderen moralischen und sozialen Verantwortung gegenüber den zivilen Arbeitnehmern bei den Alliierten,
Eine Dauerausstellung in den Räumen des Initiativkreis Berlin Stiftung e.V. (Mc Nair Museum) dokumentiert die vielfältige Geschichte der zivilen Angestellten, die zwischen 1945 und 1994 bei den drei westlichen Alliierten beschäftigt waren.

Text Peter Kauschke -Vereinsvorsitzender

Liebe Steglitz-Zehlendorfer Mitbürger, liebe Freunde der Alliierten!
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist so etwas wie die grüne Lunge Berlins. Unser Bezirk ist nicht nur besonders schön, er ist auch reich an historischen Erinnerungsstätten. Der an der Geschichte interessierte Bürger findet hier zahlreiche Plätze und Gebäude, die an die Vergangenheit Berlins erinnern. Besonders die wechselvolle Geschichte des letzten Jahrhunderts spiegelt sich in so manchen historischen Bauwerken und Erinnerungsstätten wider. An einer solchen historischen Stätte hat der Initiativkreis seinen Sitz. Der markante Gebäudekomplex an der Goerzallee im Ortsteil Lichterfelde wurde um 1938 für den weltberühmten Telefunken-Konzern errichtet. Nach 1945 übernahm das Gelände die amerikanische Besatzungsmacht und ließ es zur Kaserne für das 6. US.-Infanterie-Regiment umbauen. Seinen Namen ‘McNair Barracks’ erhielt es zu Ehren des US-Generals Leslie T. McNair, der während des Zweiten Weltkrieges gefallen ist

Es war ein besonderer Glücksfall, dass unser Verein ein Gebäude auf diesem Gelände anmieten konnte. So möchten wir Sie gerne an dieser Stätte in die jüngste Vergangenheit führen, wobei wir ein Kapitel deutscher Geschichte aufblättern wollen, das mit dem Zweiten Weltkrieg sehr leidvoll begann und mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes ein vorläufiges Ende fand. Wir denken dabei an die Zeit der alliierten Besetzung in West-Berlin. Der Initiativkreis ist ein Kind dieser Zeit. Seine Gründer und Mitglieder gehörten fast alle zu den Zivilbeschäftigten bei den alliierten Schutzmächten. Sie fassten im Jahre 1993 den Entschluss, einen Verein ins Leben zu rufen mit der Zielsetzung, zunächst einmal ehemaligen Kollegen bei der Suche nach einem neuen Beschäftigungsverhältnis behilflich zu sein. Leider scheiterte dies an einem zu hoch gesteckten Ziel, an den wirtschaftlichen Realitäten und an den dramatischen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt.
Unsere früheren Kollegen fühlten sich von der offiziellen Politik trotz aller Überbrückungsmaßnahmen im Stich gelassen und hatten das Vertrauen verloren. Nach diesem Rückschlag rückte unser zweites Vorhaben in den Vordergrund. Eine Begegnungsstätte für alle ehemaligen Mitarbeiter der Streitkräfte und für alle interessierten Bürger dieser Stadt sollte geschaffen werden, damit die Geschichte dpflegen.er Zivilbeschäftigten bei den alliierten Besatzungsmächten, die für uns zu Schutzmächten wurden, zu dokumentieren, damit sie nicht der Vergessenheit anheim fällt. Hinzu kommt, dass wir ein sehr lebendiger Verein sind und ein recht aktives Vereinsleben
Gäste sind in dieser Zeit immer herzlich willkommen. Wir können mit Stolz sagen, dass sich unsere Begegnungsstätte regen Zuspruchs erfreut. Sogar bis in die Vereinigten Staaten von Amerika ist unser Ruf gedrungen. Gerade ehemalige US-Soldaten, die Berlin einen Besuch abstatten, freuen sich ganz besonders, hier auf dem ehemaligen Militärgelände eine solche Erinnerungsstätte vorzufinden. Unsere Gästeliste weist viele Namen solcher Besucher auf, die in dieser Stadt einen Teil ihrer Militärzeit verbracht haben und besonders stolz darauf sind, Berlin als ein Stück Heimat ansehen zu können. Wir betrachten unser Museum nicht als eine Konkurrenz zum Alliierten-Museum in unserem Bezirk, sondern als Ergänzung. Wir pflegen das Erbe, das die Zivilbeschäftigten hinterlassen haben.

Wenn auch in unserer Sammlung viel Über die Angehörigen der alliierten Streitkräfte ausgesagt wird, gilt natürlich unsere besondere Liebe und Aufmerksamkeit den rund 250.000 Zivilbeschäftigten, die im Laufe der fast fünfzig Jahre alliierter Anwesenheit in dieser Stadt hier ihre Spuren hinterlassen haben. Das ist keine leichte Aufgabe. In den Reihen der Zivilbeschäftigten waren fast alle Berufe vertreten. Das begann beim Reinigungspersonal, bis zum Wachschutz, der bei den US-Streitkräften im „Guard Battalion" organisiert war. Trotz ihrer Uniform und ihrer Bewaffnung war diese Einheit eine absolut zivile Einrichtung. Auch die Geschichte des so genannten „Labor Service" ist in unserem Museum ausführlich dargestellt. Zu anderen Bereichen, in denen viele „Local Nationals", wie die deutschen und ausländischen Zivilbeschäftigten genannt wurden, beschäftigt waren, gehörte die Instandhaltung des gesamten Fahrzeugparks, der Waffensysteme, der elektronischen Einrichtungen und Geräte und die Pflege und Instandhaltung der zahlreichen Gebäude, die von den Besatzungsmächten benötigt wurden. Hinzu kamen die zahlreichen Verwaltungsdienste und die Materialversorgung. überall taten Zivilangestellte, die im Laufe der Jahre durch den Zustrom der Gastarbeiter immer internationaler wurden, unermüdlich ihren Dienst für die Sache der Freiheit Berlins

Aus diesem Grund fühlt sich der Initiativkreis auf dem alten Kasernengelände von McNair Barracks besonders zu Hause. Hier schlug damals das Herz der US-Schutzmacht. An dieser Stelle sehen noch immer viele ehemalige Militärangehörige ihre Wurzeln und bekommen feuchte Augen, wenn sie an ihre Soldatenzeit in unserer Stadt denken. Das lässt sich durchaus mit den Worten des unvergessenen Präsidenten John F. Kennedy ausdrücken: Im Herzen sind sie alle Berliner geworden!Unsere Hoffnung für die Zukunft geht dahin, dass uns Frieden und Freiheit erhalten bleiben mögen. Für den Initiativkreis hoffen wir, dass wir hier an dieser historischen Stätte unsere Arbeit fortsetzen können. McNair Barracks hat für uns eine hohe emotionale Bedeutung.Alle unsere Vereinsmitglieder wären glücklich und dankbar, wenn uns auch in Zukunft Museum und Begegnungsstätte an diesem Ort erhalten blieben.